Ein Projekt derHamburg Kreativ Gesellschaft↓

Embodiment

Kund*innen verstehen, indem man ihre Perspektive erlebt.

Embodiment -

Embodiment ist eine Methode, die Nutzer*innenforschung um das direkte Erleben erweitert. Statt Zielgruppen nur zu analysieren, versetzen sich Teams aktiv in ihre Kund*innen hinein – und gewinnen so ein tieferes Verständnis für Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Entscheidungslogiken.

Die Methode wurde vom Cross Innovation Hub aus den Darstellenden Künsten und dem Film adaptiert. Dort geht es darum, Rollen nicht nur zu verstehen, sondern glaubwürdig zu verkörpern. Dieses Prinzip wird im Innovationskontext genutzt, um Perspektiven sichtbar zu machen, die in klassischen Research-Ansätzen oft verborgen bleiben.

Warum Embodiment?

Nutzer*innenzentrierung gilt längst als zentraler Erfolgsfaktor für Innovation. In der Praxis bleibt sie jedoch häufig abstrakt: Personas werden erstellt, Insights gesammelt – aber selten wirklich durchdrungen.

Die Methode Embodiment ermöglicht es, sich früh im Prozess intensiv mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen. Bedürfnisse, Hürden und Motivationen werden nicht nur beschrieben, sondern körperlich und emotional nachvollzogen.

So lassen sich Fehlentwicklungen vermeiden und Innovationsprozesse konsequenter an realen Bedarfen ausrichten.

Wie funktioniert die Methode?

Embodiment basiert auf der Arbeit mit möglichst konkret beschriebenen Personas. Diese fiktiven Charaktere dienen als Grundlage für die anschließende Rollenarbeit.

Die Teilnehmenden arbeiten in kleinen Teams und übernehmen unterschiedliche Rollen: Eine Person verkörpert die Persona („Darsteller*in“), eine andere beobachtet und dokumentiert („Beobachter*in“).

Die Darsteller*innen versetzen sich in Alltagssituationen ihrer Persona und interagieren entsprechend mit Produkten, Services oder Prototypen. Dabei geht es nicht um Schauspiel, sondern um ein ernsthaftes Durchspielen von Verhaltensweisen, Entscheidungen und Emotionen.

Leitfragen können dabei unterstützen:

  • Wie sieht der Alltag dieser Person aus?
  • Welche Bedürfnisse und Routinen prägen ihr Verhalten?
  • In welchen Situationen nutzt sie bestimmte Angebote?
  • Welche Emotionen sind damit verbunden?
  • Welche Einschränkungen oder Ressourcen hat sie?

Währenddessen halten die Beobachter*innen fest, was auffällt: Reaktionen, Unsicherheiten, Bedürfnisse oder unerwartete Verhaltensmuster. Anschließend werden die Erfahrungen zusammengetragen, strukturiert und reflektiert.

Was bringt Embodiment?

Embodiment erzeugt ein reichhaltigeres Bild der Zielgruppe als rein analytische Methoden. Durch die Kombination aus kognitivem und emotionalem Zugang entstehen Erkenntnisse, die näher an der tatsächlichen Nutzungssituation liegen können.

Das Ergebnis ist ein ganzheitliches Verständnis der Kund*innen – und damit eine belastbare Basis für nutzer*innenzentrierte Innovationen. Denn ein Entwicklungsprozess, der an realen Bedürfnissen vorbeigeht, ist aufwendig und vermeidbar.

Wann ist die Methode sinnvoll?

Embodiment eignet sich besonders für:

  • frühe Phasen von Innovationsprozessen
  • Research, Ideation und erste Prototypentests
  • Teams mit und ohne Vorerfahrung
  • Fragestellungen, bei denen Kund*innenbedarfe besser verstanden werden sollen

Weniger geeignet ist die Methode, wenn bereits konkrete, datenbasierte Entscheidungen getroffen werden sollen. Ihre Stärke liegt im Explorativen – nicht in der finalen Validierung.

Tipps aus der Praxis

Damit Embodiment seine Wirkung entfalten kann, ist eine offene Haltung entscheidend. Bewertungen oder Machbarkeitsdiskussionen sollten zunächst bewusst ausgeklammert werden. Im Fokus steht das Verstehen – nicht das Bewerten.

Besonders wirksam ist die Methode als Einstieg in weiterführende Ansätze wie Szenarienarbeit oder andere Foresight-Tools.

Setting

  • Dauer: ca. 10–20 Minuten, je nach Tiefe auch länger
  • Gruppengröße: 2–3 Personen pro Team
  • Setting: vor Ort
  • Material: Notizen, Post-its oder Whiteboards

Embodiment im Cross Innovation Hub

Im Cross Innovation Hub nutzen wir Embodiment, um Unternehmen einen niedrigschwelligen Zugang zu echter Nutzer*innenzentrierung zu ermöglichen.

Durch das aktive Hineinversetzen entstehen neue Perspektiven und oft überraschende Erkenntnisse – eine wertvolle Grundlage für die Entwicklung relevanter und tragfähiger Innovationen.

Ansprechperson

Dr. Susanne Eigenmann -
  • Dr. Susanne Eigenmann
  • Wissensmanagerin Cross Innovation Hub
  • 040 2372435-54
  • Kurzbiografie
  • Dr. Susanne Eigenmann ist als Wissensmanagerin im Cross Innovation Hub für alle Fragen zur Theorie von Innovation, branchenübergreifender Zusammenarbeit, Kreativität, Zukunftsforschung, Trends und vielem mehr zuständig. Sie erarbeitet Themen, gibt Hintergründe und Entscheidungshilfen, Diskussions- und Kommunikationsanlässe zu allen Fragen rund um Cross Innovation und ist immer an Lernen und Austausch interessiert.


    Vor ihrer Zeit bei der Kreativ Gesellschaft war Susanne als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Universität Hamburg tätig und hat als Persönliche Referentin des Intendanten im Deutschen Schauspielhaus gearbeitet. Auch bei ihrer Arbeit als Freiberuflerin mit Kreativen verschiedener Branchen wie Kulturleuten und Künstlerinnen und Künstlern hat sie immer wieder bewundert, wie selbstverständlich, schnell und voller Elan sie Neues schaffen und sich offen in neuen Terrains bewegen. Deshalb war es für sie auch eine wunderbare Entwicklung, als sie in der Kreativ Gesellschaft den Cross Innovation Hub mit aufbauen durfte und bis heute Teil davon ist, die Stärken der Kreativwirtschaft für andere Wirtschaftsbranchen zu erschließen.

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