Eine Jazz-Formation ist dafür ein gutes Bild. Gute Improvisation entsteht, wenn ihre Mitglieder einem gemeinsamen Rahmen folgen, einander genau zuhören und kompetent und einfallsreich auf das reagieren, was im Prozess entsteht. Sie setzen Impulse, greifen Ideen auf, verändern sie und übernehmen wechselweise Führung. Im Kern geht es dabei nicht um Kontrolle über den Prozess oder das strikte Einhalten eines Plans, sondern um Kompetenz im Umgang mit dem Unvorhersehbaren. Das Ziel: ein vorher noch unbekanntes, herausragendes Ergebnis. Der Weg dorthin braucht Vertrauen und Improvisationskompetenz.
Und was hat das mit Unternehmen zu tun?
Auch Innovations- und Veränderungsprozesse in Unternehmen verlaufen selten so, wie sie auf dem Papier geplant wurden. Neue Erkenntnisse entstehen, Voraussetzungen verändern sich, Ideen funktionieren anders als gedacht – und immer öfter verändern sich die äußeren Bedingungen noch während der Planung.
Improvisationsfähigkeit bedeutet dann zum Beispiel, Unsicherheit nicht sofort durch neue Regeln beseitigen zu wollen, unfertige Ideen wiederaufzunehmen und weiterzuentwickeln, schnell auf Veränderungen zu reagieren und Verantwortung auch dort zu übernehmen, wo es noch keine fertige Handlungsanweisung gibt. Das lässt sich trainieren.
Inspiration von der Kreativwirtschaft
Für viele Kreativschaffende gehört Improvisation zur professionellen Praxis. Sie sind es gewohnt, mit offenen Situationen, begrenzten Ressourcen und nicht vorhersehbaren Entwicklungen produktiv umzugehen. Für Unternehmen ist deshalb besonders interessant: Wie machen sie das?
In Cross-Innovation-Prozessen können Unternehmen diese Arbeitsweisen unmittelbar erleben: in der Zusammenarbeit mit Menschen, für die Offenheit, Empathie, Kund*innenorientierung, flexible Reaktion und Perspektivwechsel zum professionellen Repertoire gehören.
Die entscheidende Frage lautet dabei: Wie müssen Kompetenzen, Beziehungen und Rahmenbedingungen beschaffen sein, damit wir auch dann gut handeln können, wenn der Plan nicht mehr weiterhilft?
So kann Improvisation neu verstanden werden: von der Notlösung, die Unternehmen möglichst vermeiden wollen, zu einer Zukunftskompetenz, für die sie bewusst Raum schaffen.