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Improvisieren? Unbedingt!

Improvisation klingt im Unternehmenskontext zunächst nicht unbedingt nach einer erstrebenswerten Kompetenz. Wer improvisieren muss, hat schlecht geplant – so zumindest die verbreitete Vorstellung. Doch was, wenn Situationen und Kontexte so komplex sind, dass sich Vorgänge nicht vollständig planen lassen?

Improvisieren? Unbedingt! -

Unternehmen sind zunehmend damit konfrontiert, dass wirtschaftliche Entwicklungen schwer vorhersehbar sind, neue Technologien Geschäftsmodelle immer schneller verändern, Wissen notgedrungen unvollständig ist und Entscheidungen trotzdem getroffen werden müssen. Dann reicht es nicht, gut planen zu können. Entscheidend ist immer häufiger die Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben, wenn der Plan nicht mehr trägt. Willkommen in der Welt der Improvisation.

Improvisation heißt nicht: einfach irgendetwas machen, wenn der Plan nicht weiterhilft.

Für Manager*innen kann es deshalb lohnend sein, dorthin zu schauen, wo professionell mit Improvisation gearbeitet wird: in die Kreativwirtschaft. In den Künsten ist Improvisation keineswegs planloses Handeln. Musiker*innen, Schauspieler*innen oder Tänzer*innen greifen auf Erfahrung, Techniken und ein großes Repertoire zurück. In der Zusammenarbeit müssen sie genau wahrnehmen, was im Moment geschieht, auf andere reagieren und den nächsten Schritt entwickeln, ohne Verlauf und Ergebnis bereits zu kennen.

"Improvisationsfähigkeit bedeutet, Unsicherheit nicht sofort durch neue Regeln beseitigen zu wollen, sondern unfertige Ideen wiederaufzunehmen und weiterzuentwickeln, schnell auf Veränderungen zu reagieren und Verantwortung auch dort zu übernehmen, wo es noch keine fertige Handlungsanweisung gibt.

Das lässt sich trainieren."

Eine Jazz-Formation ist dafür ein gutes Bild. Gute Improvisation entsteht, wenn ihre Mitglieder einem gemeinsamen Rahmen folgen, einander genau zuhören und kompetent und einfallsreich auf das reagieren, was im Prozess entsteht. Sie setzen Impulse, greifen Ideen auf, verändern sie und übernehmen wechselweise Führung. Im Kern geht es dabei nicht um Kontrolle über den Prozess oder das strikte Einhalten eines Plans, sondern um Kompetenz im Umgang mit dem Unvorhersehbaren. Das Ziel: ein vorher noch unbekanntes, herausragendes Ergebnis. Der Weg dorthin braucht Vertrauen und Improvisationskompetenz.

Und was hat das mit Unternehmen zu tun?

Auch Innovations- und Veränderungsprozesse in Unternehmen verlaufen selten so, wie sie auf dem Papier geplant wurden. Neue Erkenntnisse entstehen, Voraussetzungen verändern sich, Ideen funktionieren anders als gedacht – und immer öfter verändern sich die äußeren Bedingungen noch während der Planung.

Improvisationsfähigkeit bedeutet dann zum Beispiel, Unsicherheit nicht sofort durch neue Regeln beseitigen zu wollen, unfertige Ideen wiederaufzunehmen und weiterzuentwickeln, schnell auf Veränderungen zu reagieren und Verantwortung auch dort zu übernehmen, wo es noch keine fertige Handlungsanweisung gibt. Das lässt sich trainieren.

Inspiration von der Kreativwirtschaft

Für viele Kreativschaffende gehört Improvisation zur professionellen Praxis. Sie sind es gewohnt, mit offenen Situationen, begrenzten Ressourcen und nicht vorhersehbaren Entwicklungen produktiv umzugehen. Für Unternehmen ist deshalb besonders interessant: Wie machen sie das?

In Cross-Innovation-Prozessen können Unternehmen diese Arbeitsweisen unmittelbar erleben: in der Zusammenarbeit mit Menschen, für die Offenheit, Empathie, Kund*innenorientierung, flexible Reaktion und Perspektivwechsel zum professionellen Repertoire gehören.

Die entscheidende Frage lautet dabei: Wie müssen Kompetenzen, Beziehungen und Rahmenbedingungen beschaffen sein, damit wir auch dann gut handeln können, wenn der Plan nicht mehr weiterhilft?

So kann Improvisation neu verstanden werden: von der Notlösung, die Unternehmen möglichst vermeiden wollen, zu einer Zukunftskompetenz, für die sie bewusst Raum schaffen.

Zur Autorin

Improvisieren? Unbedingt! - Dr. Susanne Eigenmann

Dr. Susanne Eigenmann ist als Wissensmanagerin im Cross Innovation Hub für alle Fragen zur Theorie von Innovation, branchenübergreifender Zusammenarbeit, Kreativität, Zukunftsforschung, und Trends zuständig. Sie erarbeitet Themen, gibt Hintergründe und Entscheidungshilfen, Diskussions- und Kommunikationsanlässe zu allen Fragen rund um Cross Innovation.

Improvisieren? Unbedingt! - Dr. Susanne Eigenmann

Dr. Susanne Eigenmann

Wissenmanagerin

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