Hamburg – Verlagshochburg, zentraler Pfeiler der deutschen Medienlandschaft. So oder ähnlich lautet die klassische Erzählung über die Rolle der Hansestadt in der Pressebranche. Titel wie Spiegel, Stern und Zeit haben Mediengeschichte geschrieben; Verlage wie Gruner & Jahr – heute Teil von RTL –, der Jahreszeiten Verlag und die Bauer Gruppe prägten den Zeitschriftenmarkt mit Titeln wie Geo, Merian und der Bravo.
Aber wie passt dieses Bild noch in eine Zeit, in der Influencer via TikTok in direktem Kontakt mit ihrem Publikum stehen, sich der Medienkonsum wandelt und der Werbekuchen neu verteilt wird? Der Umsatz der sogenannten Creator Economy soll sich nach Einschätzung der Investmentbanker von Goldman Sachs bis 2027 weltweit auf 480 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln.
„Schockstarre der Digitalisierung hat sich gelöst“
Wir fragen Holger Volland. Er ist CEO der Brand Eins Medien AG, die das gleichnamige Wirtschaftsmagazin herausgibt. Er fasst die Lage so zusammen: Vielfältige, teils volatile Erlössituation bei kleinen wie großen Medienhäusern. Einige, auch etablierte Häuser bräuchten dringend neue Erlösmodelle. Andere laufen blendend. Da gebe es alle Varianten.
Positiv aus seiner Sicht: „Die Schockstarre der Digitalisierung hat sich gelöst“, sagt Holger Volland. Anders als vor 10 Jahren sei jetzt klar, dass die Leser*innen bereit seien, für digitale Inhalte zu zahlen. „Und die meisten Häuser wissen auch, in welche neuen Bereiche sie neben dem traditionellen Geschäft investieren können.“
Vertraute Marke, neue Geschäftsfelder
Christoph Zimmer, Leiter der Produktentwicklung der Spiegel-Gruppe, bestätigt das, zumindest für seinen Verlag. Das digitale Abo-Modell sei 30 Jahre nach dem Start von Spiegel Online „zur zentralen Säule“ geworden, sagt er. Vor sechs Jahren folgte die Paywall, erst beim Spiegel, später bei den Schwesterblättern Manager Magazin, Harvard Business Manager und 11 Freunde. 2023 überstiegen die Digitalabo-Erlöse erstmals die aus dem Print. Bis 2025 sollen sie um ein weiteres Drittel auf 75 Millionen Euro steigen, sagt Christoph Zimmer.
Auch bei der Zeit wächst das Digitalgeschäft. Aber auch hier spüren sie, dass Influencer und Creator ihre Inhalte direkt und unabhängig von den Verlagen vermarkten. „Viele junge Leute informieren sich inzwischen vor allem über TikTok, weniger über klassische Medien“, sagt Zeit Verlagsgruppe-Geschäftsführer Christian Röpke, der als Chief Product Officer für die Digitalisierung aller Geschäftsmodelle verantwortlich ist. Früher sei Social Media oft ein Sprungbrett zu den Nachrichtenseiten gewesen.